
© Zeichnung Chris König



an "Haakon Adalstein"

an "U-711"

Kompasshalterung

an "Black Watch"

an "Dronning Maud"

Fotos © OM - Olaf Müller



Fotos © OM - Holger Conrad |
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Hier findet ihr 3 Berichte der
Teilnehmer. Es lohnt sich zu lesen.
Bericht von Olaf
Juni 2007: nach
drei Tagen Anreise stehen wir zu dritt am Vestfjord und schauen auf die
schneebedeckten Bergketten der Lofoten. Die Sonne scheint und die
Temperatur beträgt 20°C. Besser hätten wir es nicht treffen können. Das
Meer ist stahlblau, mit türkisfarbenen Buchten. Man kann einige Meter
bis auf den Grund sehen. Die Sichtverhältnisse scheinen ausgezeichnet zu
sein. Acht herrliche Wracktauchtage liegen vor uns. Frank vom
Norway-Team (www.norway-team.de),
hat die Tour organisiert und ich habe das Glück, dabei sein zu können.
D/S Karmøy,
Lødingen
Das erste Wrack unserer Tauchtour liegt am Hafenausgang von Lødingen.
Ca. 200m vor der Ortseinfahrt Lødingen kann man von Land aus die Karmøy
betauchen. Leider gibt es auf der schmalen Strasse absolut keine
Parkmöglichkeit. So halten wir neben der Leitplanke für einen Moment an,
laden die Tauchausrüstung aus und deponieren diese auf einem Felsen am
Wasser. Das Auto parken wir anschließend an der Esso-Tankstelle am
Ortseingang, ziehen uns dort um und marschieren dann auf der Strasse
zurück zu unserer Ausrüstung. Die Karmøy ist am Heck mit einer schwarzen
Boje markiert, die wir auf ca. 150m anschwimmen. Uns erwartet ein
wundervoll bewachsenes Wrack. Dieser Eindruck wird sich übrigens bei
allen weiteren Tauchgängen wieder einstellen. Die Tauchplätze sind
unberührt, Flora und Fauna überreich entwickelt. Die Sichtweiten sind
bei der Karmøy mit ca. 10m eher mäßig. Der ca. 100m lange Frachter
(2.500 BRT) wurde 1921 in Dienst gestellt und im zweiten Weltkrieg von
der deutschen Handelsmarine akquiriert. Am 28.10.1944 wurde das Schiff
vor der Hafeneinfahrt durch britische Bomber versenkt. 5 Seeleute
starben. Das Wrackmittelteil wurde in den 50er Jahren zu einem großen
Teil abgewrackt und so ist hier nicht mehr allzu viel übrig geblieben.
Bug- und Heckteil sind dagegen gut erhalten und stehen senkrecht auf dem
ebenen Sandgrund in etwa 25m Tiefe. Der Bug ist über und über mit
Fischernetzen behangen und bietet einen phantastischen Anblick. Auf Deck
sind einige Seehasen, die sich unbeholfen vor uns verstecken wollen.
Nach einer halben Stunde wird mir kalt. Die 6°C Wassertemperatur
kriechen langsam durch den Trocki und mir in die Knochen. Bei allen
weiteren Tauchgängen habe ich mir dann einen zusätzlichen Vlies
untergezogen und drei Kilo mehr aufgelegt. Das hat geholfen.
Hurtigruten-Wrack, Offersøy
Für die nächsten Tage hatten wir uns eine Hütte in Offersøy gemietet.
Ein wundervoller Platz, der normalerweise nur von Sportfischern
aufgesucht wird. Hier besteht die Möglichkeit, Boote in verschiedenen
Größen und Leistungsklassen zu mieten. Einen (Boots-)Führerschein
braucht man hier nicht, wenn ich das richtig verstanden habe. Aber mit
Frank hatten wir einen Skipper dabei, der sich noch dazu in diesen
Gefilden sehr gut auskennt (Frank fährt im Oktober/November mit Gästen
hinaus auf den Fjord zum Orca-Tauchen). Wir wollten ein Wrack aufsuchen,
dass in der Seekarte ca. 2 Meilen vor Offersøy verzeichnet ist. Mit
einem offenen 50PS-Boot sind wir raus gefahren und haben die ungefähre
Position aufgesucht. Eine felsige Untiefe schien geeignet einem Schiff
bei Schlechtwetter den Garaus zu machen. Ehrlich gesagt, hatte ich nicht
viel Hoffnung hier auf gut Glück irgendetwas zu finden. Wir haben an
diesem Felsen schließlich Anker geworfen und sind von dem Felsen weg in
Richtung offenem Wasser abgetaucht. Bald folgte eine ca. 20m abfallende
Steilwand an der wir uns abfallen ließen und nach einigen Metern auf dem
Sandgrund erschien plötzlich der große Schatten eines Wracks.
Volltreffer! Das Wrack liegt mit ca. 60° Neigung auf dem Sandgrund. Der
Bug ist zerstört aber Mittel- und Heckteil noch relativ gut erhalten.
Das Deckholz ist nahezu vollständig weggegammelt und man blickt durch
das Deckgerippe tief in den Stahlrumpf. Einige Bullaugen sind
vollständig erhalten. Überdimensionale Seespinnen haben sich im Rumpf
versteckt. Die Spanten sind über und über mit Anemonen und Weichkorallen
bewachsen. Ich hätte Stunden an diesem romantischen Wrack verbringen
können, aber der Computer mahnte zum austauchen. Oberhalb der Steilwand
konnten wir uns hierzu im wunderschönen Kelpbewuchs entsprechend Zeit
lassen.
Später haben wir im Hurtigrutenmuseum in Stokmarknes Nachforschungen zu
diesem Wrack angestellt. Wahrscheinlich handelte es sich hier um die
´Haakon Jarl´, gesunken 1924. Allerdings weicht die bezeichnete
Untergangsstelle um einige 10 Seemeilen von unserer Position ab. Ein
weiteres Rätsel gab uns eine im Sand gefundene Scherbe mit dem Stempel
’Haakon Adalstein’, einem Schiff, das 1947 vor Schweden gesunken sein
soll.
U-711 und
Black Watch,
Kilbotn
Zweifellos der Höhepunkt unserer Reise waren die Wracks U-711 und Black
Watch in der Bucht von Kilbotn. Noch kurz vor Kriegsende wurden die
beiden Schiffe durch einen überraschenden Bombenangriff der britischen
Air Force versenkt. Gerade von einer Feindfahrt zurückgekehrt, hatte
U-711 kurze Zeit vorher am Versorgungs- und Hotelschiff ´Black Watch´
festgemacht. Ca. 40 Mann der U-Boot Besatzung waren bereits auf der
´Black Watch´, wahrscheinlich froh, die vermeintlich letzte Feindfahrt
heil überstanden zu haben, als der Angriff losbrach. Die Black Watch
wurde von 7 Bombentreffern zerrissen. Die auf U-711 zurückgebliebene
Wachmannschaft konnte das U-Boot während des Angriffs noch losmachen,
aber das Boot versank dann doch durch Nahtreffer wenige 100m weiter im
Fjord. Auf der ´Black Watch´ starben alle übergesetzten U-Boot Männer.
Wenn man auf die friedlich-schöne Bucht von Kilbotn schaut, dann kann
man sich dieses Kriegsinferno überhaupt nicht vorstellen. Stig, ein
Berufstaucher aus Kilbotn erzählt, dass schwere Stahlplatten der Black
Watch durch die Explosionen bis auf die umliegenden Hügel geschleudert
wurden. Aus den Baumkronen mussten nach dem Angriff Leichenteile
geborgen werden. Die Häuser an der Bucht wurden zum Teil stark in
Mitleidenschaft gezogen. Verluste unter der norwegischen
Zivilbevölkerung hatte es aber nicht gegeben.
Stig hatte seinen Tauchroboter (ROV) mitgebracht, mit dem er
normalerweise die Netze von Lachsfarmen kontrolliert. Mit Hilfe des
ROV's war das U-Boot in einer Tiefe von ca. 50m schnell gefunden. Es lag
ca. 10m neben unserer Ankerleine. Die Bilder des ROV's wurden auf ein
Laptop übertragen und wir konnten uns ein gutes Bild von der Lage des
U-Boots machen. Die Sicht war im übrigen enttäuschend schlecht. Holger
und Harald, zwei Mittaucher vom Bodensee, sind als erste die Ankerleine
runter und haben an dem U-Boot, ungefähr Mitschiffs, ein neues Ankerseil
gesetzt. Für uns war es nun einfach, auf direktem Wege zum Wrack zu
gelangen. Die Sicht lag bei ca. 5m. U-711 liegt mit ungefähr 60° nach
Backbord geneigt auf ebenen Grund. Der Zustand ist hervorragend! Im Turm
sind alle Gerätschaften, wie das Luftzielseerohr, Kompasshalterung (der
Kompass ist natürlich weg), Überwasserzieleinrichtung, gut zu sehen. Das
Turmluk steht halb auf und man kann einen Blick in das schwarze Innere
werfen. Die hinteren Turmanbauten sehen ziemlich beschädigt aus. Die
beiden Flakgeschütze konnte ich nicht entdecken. Vielleicht sind sie
abgerissen oder sie wurden bereits geborgen. Die Holzbeplankung auf Deck
ist nahezu vollständig erhalten. Man glaubt gar nicht, wie viele Details
an so einem, eigentlich glatten U-Boot-Körper zu entdecken sind. Schade,
dass aufgrund der Tiefe die Grundzeit nicht besonders ausgedehnt werden
konnte. Das U-Boot würde Stoff für viele interessante Tauchgänge bieten.
Der zweite Tagestauchgang führte uns zur Black Watch. Man erreicht die
Wrackoberkante bereits auf 18m Wassertiefe. Das Schiff liegt übel
zugerichtet mit 90° Seitenlage auf dem ca. 40m tiefen Sandgrund. Obwohl
das Schiff bereits z.T. abgewrackt wurde, habe mich die Tauchgänge hier
tief beeindruckt. In dem kalten Salzwasser haben sich viele Dinge seit
dem gewaltsamen Untergang vor 62 Jahren gut erhalten. Das Holz der
Decksaufbauten ist nicht nennenswert vermodert. Die vielen Fenster gaben
den Blick ins Innere frei. Ich sah Sanitäreinrichtungen, Stiefel und
Bücher! Ich wusste nicht, dass sich Papier solange im Wasser halten
kann. Ein Buch lag unmittelbar am Außenrand des Wracks und der deutsche
Titel war gut lesbar: ’Ackerbaulehre für Jungbauern’. Wie kam dieses
Buch zur Kriegsmarine und welches Schicksal mag sich dahinter verbergen?
Auf dem Grund liegen geborstene Maschinenteile und auf einmal steht dort
eine emaillierte Badewanne.
Dronning Maud
Das letzte Ziel unserer Reise war das Wrack der Dronning Maud. Das
Schiff gehörte einst zur Hurtigruten-Linie und wurde im zweiten
Weltkrieg als Lazarettschiff umfunktioniert. 1940 wurde es von deutschen
Flugzeugen in Brand gebombt und sank schließlich aufrecht stehend auf
42m Grund. Das Wrack ist heute mit zwei Bojen am Heck und Bug markiert.
Wir haben unsere Tauchgänge am Heck in 32m Tiefe begonnen. Das Schiff
ist gut erhalten und bietet einen phantastischen Anblick. Im Heck ist
das Notsteuerrad gut zu erkennen. Von hier sind wir entlang der
zweistöckigen Kajütdecks In Richtung Bug getaucht. Der große Schornstein
und der vordere Mast ragen steil zur Oberfläche. Die Holzaufbauten
wurden vom Feuer vernichtet, so dass man nun von oben in die leeren
Räume sehen kann. Wir sind nicht weiter in das Wrackinnere vorgedrungen,
sondern haben uns auf das 75m lange Deck beschränkt. Im Bugbereich kann
man einen Blick in die Kombüse werfen. Auf dem Vordeck in 25m Tiefe
stehen auch die schweren Ankerwinden. Die Ankerketten verschwinden
irgendwo Richtung Grund. Bei der Dekopause in 3m Wassertiefe hatten wir
eine Begegnung mit einem zentimetergroßen Seehasen. Der kleine
vorwitzige Fisch, lugte die ganze Zeit über neugierig in meine
Kameralinse. Vielleicht sah er dort sein Spiegelbild oder wollte er
unbedingt ins taucher.net ?
Bericht von
Thomas
Auf der Boot habe ich mich dieses Jahr zu etwas
ganz Besonderem breit schlagen lassen: eine Tauchexpedition am
Polarkreis mit Frank. Nach unserem Urlaub an der Basis in Høvåg/Kristiansand
im letzten Jahr, haben wir Sylvia und Frank natürlich wieder am Stand in
Düsseldorf besucht.
Frank hatte ein Poster aufgehängt und Teilnehmer für eine Expedition
gesucht.
U-Boot? Polarkreis? Und man weiß nicht, was einen erwartet. Da war klar,
dass ich mit musste. So ganz risikoreich war es ja dann doch nicht.
Immerhin kennen wir Frank und er hat das so sorgfältig geplant, wie man
das unter den Umständen nur kann.
Seine guten Kontakte zu den Einheimischen, die er bei seinen Orca-Touren
kennen lernt, haben ihm dabei natürlich sehr geholfen und ohne das geht
es eben auch nicht.
Frank und Olaf haben die Ausrüstung von Høvåg/Kristiansand nach
Offersøy/Harstad gebracht – 1800 km mit dem Auto. Ich habe mir die
Touri-Nummer gegönnt und bin mit dem Flugzeug angereist. War bezahlbar
und vollkommen unproblematisch.
Das Boot, mit dem wir die Tauchlätze angefahren haben, war perfekt
dafür, obwohl es sich noch im Umbau befindet. Die Tauchgänge sind
spektakulär, aber nicht ohne. Viele Tauchplätze liegen unterhalb von 40
m. Man sollte also schon geübt sein. Die freien Abstiege durch riesige
Dorschschwärme und die gut erhaltenen Wracks sind das aber in jedem Fall
wert.
Ach ja: bei fast 24 Stunden Tageslicht hat man natürlich auch neben den
Tauchgängen noch genügend Zeit für Sightseeing – Grillen kann man dann
ja auch noch Nachts um 2.00
Bericht der Bodenseetaucher
Es stand für uns
schon länger fest, dass wir mal eine Tauchtour durch Norwegen machen
wollen. Dieses Jahr wollten wir es dann auch endlich angehen. Unter
anderem sind wir deswegen auch im Januar 2007 nach Düsseldorf auf die
Boot gefahren. Dort trafen wir auf Frank mit seinem Norway-Team.
Wir hatten vor zu viert und zwei Wohnmobilen diese Tour zu bestreiten.
Narvik war unser erklärtes Ziel. Während unserem Gespräch stellte es
sich heraus, dass Frank zur selben Zeit eine Expedition von Harstadt aus
plante, um U-711 und die Black Watch zu erkunden. Da sind wir natürlich
hellhörig geworden und haben uns sofort einen Platz auf dem
Expeditionsschiff vormerken lassen. Diese Gelegenheit wollten wir auf
jeden fall wahrnehmen, da für diese 2 Wracks eine Sondergenehmigung
benötigt wird. Die Sondergenehmigung war von Frank schon beantragt.
Anfang Juni war es dann soweit. Nachdem wir schon eine Woche auf eigene
Faust in Narvik tauchten, sind wir zu Frank und den anderen nach
Offersøy / Harstad gestoßen. Dort machten wir einen Tauchgang zur
Vorbereitung, an einem alten Hurtigruten-Dampfer. Tags darauf haben wir
dann auf der Sjøblomsten, einem ehemaligen Fischkutter, der gerade zum
Tauchboot ausgebaut wird, eingecheckt!
Dann ging es auch gleich los! Das U-Boot wurde anhand einer kleinen,
zuvor gesetzten Boje, schnell gefunden. Zu unserer Überraschung war ein
„ROV“ mit an Bord, mit dem zuvor das U-Boot von Bord des Kutters aus
unter die Lupe genommen wurde. Da stieg natürlich die Vorfreude und die
Neugier schier ins unermessliche.
Wir hatten das Glück, gleich als erstes im Wasser zu sein, da noch
jemand das richtige Ankerseil beim U-Boot anbringen musste. Nach dem
Abtauchen am Bojenseil trafen wir als erstes auf den imposanten Bug. Das
Boot liegt mit ca. 60° Neigung auf der Backbord-Seite. Der Bug ist
leicht geknickt und vor dem vorderen Torpedo-Ladeluk klafft ein Loch,
dass einen Blick in den vorderen Torpedoraum ermöglicht. Es ist auch
größtenteils die Holzbeplankung vom Deck noch vorhanden. Lediglich
hinterm Turm, beim „Wintergarten“, sind Schäden zu erkennen. Aufgrund
der starken Neigung ist die Steuerbordschraube und die Ruderanlage zu
erkennen. Am Turm kann man noch die Antenne, die Kompasshalterung und
das Periskop erkennen. Um all dies ausgiebig zu erkunden bedarf es an
diesem Wrack, auch aufgrund der Tiefe, mit Sicherheit mehrere
Tauchgänge.
Zurück an Bord wurden wir von der Crew mit frischem Fisch und Suppe
versorgt. Für den Nachmittags-TG sollte es die Black Watch sein. Dies
war das dazugehörige Versorgungsschiff von U-711, das beim gleichen
Luftangriff versenkt wurde. Die Black Watch ist sehr stark zerstört und
es sind nur noch der Bug und Teile der Aufbauten als solche zu erkennen.
Der Rest ist eine Trümmerlandschaft aus verbogenem Stahl. Was aber mit
Sicherheit nicht weniger interessant ist zu betauchen.
Unser Fazit von dieser Tour: Absolut zu
empfehlen. Wer die seltene Gelegenheit bekommt, sollte sich diese nicht
entgehen lassen! Die Expedition ist von Frank und seinem Norway-Team
bestens vorbereitet, organisiert und durchgeführt worden. Wer mal nicht
ganz alltägliche Tauchtouren erleben will, ist bei Frank mit Sicherheit
an der richtigen Adresse.
Die Bodenseetaucher

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